Theophonos – Banishment

von am 2. Januar 2025 in EP

Theophonos – Banishment

Der Schein trügt: Jimmy Hamzey ist nach dem Aufsplitten seiner musikalischen Entitäten in Serpent Column und Theophonos durch Banishment nicht wirklich mit der nächsten Arbeit fertiggeworden.

Tatsächlich handelt es sich bei den vier über rund zwölf Minuten Spielzeit verteilten Songs von Banishment gewissermaßen um die aus den Archiven („Written and recorded between October 2023 – December 2023“) gezogene Demo einer Kooperation zwischen Hamzey (Guitars, vocals, production), Andrew Coughlin (Drums) und Jon Riley (Drum track recording and engineering, guitar reamping), die sich auch zu dritt die Songwriting-Credits der von Maya Chun gemischten Nummern teilen.

Old recordings from a doomed collaboration, after which we returned to our separate male living spaces never to be seen or heard from again. It is rumored that on a clear winter night you can still make out the muffled din of our ghosts playing from atop the ruins of the old North End Studios (of which this is a field recording), betwixt the crackling of small arms fire and crinkling of old malt liquor bottles being crushed underfoot by dubious young couples pushing strollers. It is also said that the ghost of punk still lives, yet in a faraway land named Grand Rapids. But legends are just legends, and soon nobody will be around to understand how people like us got from point A to Z, for a great shadow has been cast upon our digital lands and history. Only one young man who listens to Sexdrome and Cult Ritual can become the chosen one and redeem our doomed world before it is too late.

Die irritierenden Bandcamp-Tags Stadium Crust, Forum Core und Offensive to rym Users lenken danach nicht davon ab, das Theophonos sich mit Banishment freilich zuerst in den vertrauten, Math-affinen Disso-Black Metal-Gefilden bewegt, während die Punk-Klassifizierung gerade in der Klammer der EP durchaus Sinn macht. Im verrauschten, aber (trotz einer die Bassdrum nur noch dumpf erahnbaren lassenden Ästhetik) akzentuierten Lo-Fi-Sound eilt der Titelsong nämlich tatsächlich punkig angetrieben davon, grieselig und harsch schreiend, mit oszillierenden, hypnotisch repetierenden Gitarren, während Indistinct Everyday am anderen Ende zu seinem abrupten Ende rumpelt und poltert – einen archaischen, proggigen Primitivismus pflegend.

Das überzeugt, hat durch seine straighte, fast simple Ausrichtung auch sofort eine eigene Identität. Noch besser gelingt allerdings das Spektrum dazwischen. Slavedriver bremst das Tempo groovend, bis sich das blastende Geschehen in einem rockenden Zug einpendelt. Und das Highlight Something Past the Veil schwelgt melancholisch und nachdenklich, bricht kurz in einen panischen Galopp aus, bewahrt sich aber eine beschwörende Sehnsucht in der klaustrophobischen Weite.
Banishment hat so nichts unvollendetes, sondern wirkt mit ausgewogenem Spannungsbogen und einem runden Pacing bzw. Sequencing viel eher wie eine ihr Potential nicht ganz ausschöpfende neue Crust-Persönlichkeit neben Serpent Column und Theophonos.
Mag dieses Aufräumen von Altlasten für den Fan so also auch ein sehr willkommener Start in das neue Jahr sein (und deswegen mit Fanbrille bewertungstechnisch aufgerundet werden), ist es insofern primär doch schade, dass diese Kooperation-Basis nicht tiefschürfender gehend weiter verfolgt wurde. 

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