Terraplana – Olhar Pra Tr​á​s

von am 27. Oktober 2023 in Album

Terraplana – Olhar Pra Tr​á​s

Seit der Bandgründung 2017 und einer unmittelbar folgenden ersten EP haben die Brasilianer von Terraplana auf ihr Debütalbum Olhar Pra Trás hingearbeitet, um damit nun eine veritable Shoegaze-Talentprobe abzuliefern.

Um es gleich vorwegzunehmen: Terraplana warten hier über zu kurze 28 Minuten mit keiner weltbewegenden Errungenschaft für das Genre auf, der Grad der originellen Innovationslust hält sich auf einem Erstlingswerk stark im Rahmen. Allerdings ist die Band aus Curitiba kompetent genug, um die bewusste Nostalgie seiner klassischen Referenznähen als Tugend auszulegen: das Songwriting ist gelungen, wiewohl man sich auch ohne herausragende Geniestreiche eher in der ganzheitlichen Atmosphäre (und durch den einnehmenden, gemischtgeschlechtlich, weiblich dominierten Gesang leicht exotisch verstärkten Ausstrahlung) verliert, als einzelne individuelle Passagen aus dem eklektischen Epigonentum herauszufiltern; der ebenso ätherische verschwommene, reichhaltig imaginative wie kraftvolle präzise Sound (einer sauberen, modernen Produktion, die den Noise – etwas zu sehr? – zurückschraubt und damit auch allzu aufdringliche My Bloody Valentine-Vergleiche halbwegs unterwandert) ist ideal, damit die Ästhetik und Performance harmonisch interagieren können.

Vinícius Lourenço (vocals, guitar, synthesizer), Stephani Heuczuk (vocals, bass), Wendeu Silverio (drums) und Cassiano Vidal (vocals, guitar) lassen die Verstärker hinter dem schwelgenden Dreampop jedenfalls brutzeln, träumen meist im getragenen Tempo, dösen sehnsüchtig zwischen Aufbruch und melancholischer Lethargie.
Toll ist es dabei vor allem, wenn Conversas die Schwere und Nachdenklichkeit von The Cure verstanden hat (wiewohl Terraplana im strukturoffenen Feld um allzu griffige Melodien und präzise Hooks nur unverbindlich flanieren), oder Songs wie Memórias, Cais und die ruhige Elegie Um Sonho, Um Fim sich weiter in den Postrock und Slowcore wagen, und dort andeuten, wo die Zukunft für Terraplana für eine tatsächliche Größe liegen könnte – auch, wenn man vielleicht etwas ausführlicher auf die eigenen instrumentalen Fähigkeiten jenseits des zu gleichförmigen, phasenweise farblosen Stimmeneinsatz vertrauen würde.
Nichtsdestotrotz: Ohne wirklich zum Punkt zu finden, aber mit wertungstechnisch vertretbarem Newcomer-Bonus, positioniert Olhar Pra Trás nichtsdestotrotz eine feine Zukunftsaktie im Shoegaze-Business.

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