Graz
Platoo beschenkt zum eigenen fünfzehnjährigen Geburtstagsfest mit einem wunderbaren Konzerterlebnis: Paul Plut interpretiert seine knarzigen Lieder vom Tanzen und Sterben (2017) in der Herz Jesu Kirche mit epochaler Wucht.
Die elementaren Erkenntnisse des Abends: Joan Wasser ist nicht nur eine großartige Musikerin, sondern auch eine umwerfend amüsant mit dem Publikum interagierende Entertainerin; das Material von Damned Devotion bezaubert in der Live-Umsetzung noch einmal mehr, als nicht ohnedies bereits in der Studioversion; und Veranstaltungen nahtlos hinter einem Konzert anzusetzen, ist einfach eine Sünde.
Kettcar verleihen ihrem starken Comeback rund um Ich vs. Wir live das Tüpfelchen auf dem i: Setlist, Performance und Stimmung lassen beim Graz-GastHeimspiel der Hamburger jedenfalls das Fanherz über den Erwartungen höher schlagen.
Melt-Banana spielen dank Numavi und Werk 02 praktisch vor der eigenen Haustür, dazu gibt's mit Baguette einen mehr als würdigen Support. Insofern: Noiserock-Pflichttermin im Forum Stadtpark.
Ein Schaulaufen großer Klasse: Mit einer grandiosen Band im Rücken sowie einer Wagenladung unsterblicher Hits vor Augen begeistert Roxy Music-Boss Bryan Ferry im Grazer Stefaniensaal.
Noch schöner, als das Soloschaffen des John K. Samson mit Fokus auf dem wunderbaren 2016er-Highlight Winter Wheat serviert zu bekommen, kann eigentlich nur sein, dieses im Rahmen eines ausführlichen The Weakerthans-Potpourris zu erleben.
Klar, die Meister des Dedective/Doomjazz spielen Mitternachtsmusik par excellence - dennoch wäre ein etwas früherer Konzertbeginn als 22.45 Uhr dann doch etwas erfreulicher gewesen. (Zumal Bohren & der Club of Gore ohnedies eine Band sind, die nicht unbedingt einen Supportact benötigen - die Klanginstallationen von Peter Kutin verpassen deswegen auch einige Besucher). Ansonsten aber gibt es nichts zu meckern: bigMama servieren die zum Trio geschrumpfte Genre-Institution im Forum Stadtpark unter idealen Rahmenbedingungen.
Auf ihrer (wenn man angesichts der bevorstehenden Umbrüche so will) Abschiedtour beehren Michael Gira und seine Swans nun auch Graz - und beenden das Elevate 2016 mit dem erwartbar auslaugenden Kraftakt.
Es gibt keine bessere Gelegenheit um sich in Erinnerung zu rufen, wie grandios die verdiente Institution Boysetsfire auch in ihrem zweiten Leben nach dem Split 2007 noch ist, als die Band um Nathan Gray auf der Bühne erleben zu dürfen.
Wo jedes Studioalbum neue Facetten des englischen Prog-Meisters freilegt, entlässt "An Evening with Steven Wilson" abseits der erwartbar makellosen, bis ins Detail durchkomponierten Perfektion in Sachen instrumentaler und inszenatorischer Virtuosität ebenfalls mit einer überraschenden Erkenntnis: Der alterslos wirkende 48 Jährige präsentiert sich im Orpheum entwaffnend nonchalant als erstaunlich amüsanter Zeitgenosse.