Stray Gods – Storm The Walls

von am 4. Mai 2022 in Album

Stray Gods – Storm The Walls

Steile These: In Griechenland ist man mit den jüngsten Iron Maiden-Alben nicht zufrieden – weswegen Stray Gods mit Storm the Walls es einfach versuchen besser zu machen.

Bei der Gruppe aus Athen, einem neuen Projekt des nimmermüden Tausendsassas Bob Katsionis, ist die Maiden-Prägung jedenfalls so absolut offensichtlich und unbedingt allgegenwärtig, wie nur bei wenigen anderen am klassischen Heavy Metal der 80er interessierten Bands.
Immerhin wandelt nicht nur das Songwriting, der Sound und die Ästhetik auf dem schmalen Grad zwischen imitierendem Plagiat und kompetenter Hommage, sondern Sänger Artur Almeida (Attick Demons) intoniert auch praktisch deckungsgleich mit Bruce Dickinson.
Wer also allergisch auf gute Kopien reagiert, ist bei dem fleischgewordenen Tribute Storm the Walls grundlegend falsch.

Mit einem generellen Wohlwollen lässt sich jedoch attestieren, dass die Substanz in dieser Ausrichtung durchwegs stimmt: mehr Maiden als Stray Gods können aktuell womöglich nicht einmal Maiden selbst liefern.
Gefühlt durch nahezu alle Bandphasen der Idole galoppierend fehlen zwar die genialen (und natürlich auch nur ansatzweise originären) Momente vollends, dafür gibt es eine gute Produktion (die Steve Harris gerade im gedrosselten Love in the Dark zeigt, wie das mit den käsigen Kitsch-Fernsehgarten-Synthies eigentlich klotzend statt kleckernd ginge), eine allgemeine Kompaktheit und über 38 ausfallfreie, manchmal eben etwas zu standardisierte Minuten eine unangestrengte Kurzweiligkeit, bei der sich Maiden sogar etwas abschauen könnten.
Der größte Adelschlag für die Epigonen ist insofern wohl im ständigen, unvermeidbaren Vergleich mit der Blaupause trotz allem – oder gerade deswegen – die Tatsache, dass Storm the Walls nicht, nein niemals!, den Wunsch weckt, sofort zu den Originalen umzusteigen.

Dazu sind Instant-Ohrwürmer wie das edle The Seventh Day (dessen „Ooohhooo“-Passagen vielleicht nicht ganz so episch klingen, wie sie es wollen würden) oder das hardrockig-zügige Black Horses einfach zu unterhaltsam, während ein Silver Moon (das als mystische Ballade beginnt und sich beschwörend zur heroischen Hymnik aufschwingt) oder der weit ausholende Schlusspunkt-Titelsong tatsächlich groß anmutend und verdeutlichen, dass hier nicht bloß schamlos von Maiden abgekupfert wird ( – auch wenn das so ausnahmslos identitätsfreie Legen in gemachte Betten die Aufwertung zum nächsthöher liegenden Punkt rein anstandshalber nicht zulässt, wiewohl diese acht Songs per se wirklich nichts falsch machen und dezitiert jedem NWOBHM-Fan empfohlen seien!).

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