SpiritWorld – Helldorado

von am 27. März 2025 in Album

SpiritWorld – Helldorado

SpiritWorld finden ihr Helldorado, indem sie ihre Western-Party über den Crossover T(h)rash hinaus peitschen – ziemlich sicher sogar zum Jump-the-Shark-Moment ihrer Karriere.

Zumindest müssen Genre-Puristen für das dritte Album der (aktuell aus Bassist Nick Brundy und Drummer Preston Harper sowie den Gitarristen Matt Schrum und Randy Moore bestehenden) Band von Frontmann Stu Folsom auch abseits des Wildwest-Gimmicks die eigenen Toleranzgrenze wohl ein gutes Stück weit neu verorten. Und das keineswegs, weil der Opener Abilene Grime sich erst vom honkytonky Pubrock zur Slayer-Pastiche mit prolligem Rob Zombie-Industrial-Stakkato mausern muss.
Aber es gibt auf Helldorado eben Szenen wie Bird Song of Death, das als flotter Singalong auf dem Cowpunk-Highway mit Acoustic Gitarre, Handclaps und Synth-Teppich Stimmung macht. Oder die kontemplativ plätschernde Ballade Prayer Lips, die sich heiser flüsternd am zaghaften Gesang versucht und dabei eine Art Blink-182-Lagerfeuer samt Saxofon-Romantik wagt. Cleansing ist dagegen ein sinnierendes Postrock-Interlude, über dessen Prärie ein vages Metal-Unwetter aufzieht und Annihilism verabschiedet sich in aller Harmlosigkeit fast schon als gefälliger Country Pop.

Ob SpiritWorld in diesen Momenten über das Ziel hinausschießen, oder einfach nur herrlich viel Spaß am unkonventionellen Auftun neuer Fronten haben? Ja!
Auf der Unterhaltungsebene funktioniert Helldorado deswegen auch ebenso gut, wie es auf emotionaler mit leeren Gesten seine absolut kurzweiligen 28 Minuten Gesamtspielzeit zu einem abwechslungsreichen Schaulaufen macht, wo das Songwriting der Band diesmal oft mehr Form als Inhalt darstellt und für sich genommen genetische Baukasten-Ideen als Feuerwerk inszeniert.
Unter diesen Kritikpunkten gibt es in Helldorado zudem dann aber auch noch genug Land, auf denen SpiritWorld ihr kerngeschäft betreiben und damit pflichtschuldig versöhnlich stimmen.

Der Thrash von No Vacancy in Heaven gönnt sich in der generellen Bollo-Attitüde Gangshouts und Solos, Western Stars & the Apocalypse galoppiert standardisiert und Stigmata Scars ist gut mitgröhlbar catchy wie alles hier.
Waiting on the Reaper beginnt, als würden  Tenacious D eine Chimäre von Coheed and Mastodon züchten, um diese mit dem Tritt aufs Gaspedal auf die effektive 08/15-Tough Guy-Party zu schicken. Oblivion setzt dort nahtlos an, doch steht die Gästeliste mit Vertretern von Blackbraid und Rise Against sinnbildlich für das weiter werdende Spektrum von Spiritworld. Von der Stadion-Abfahrt samt Solos ist es da nicht weit zum Black Metal-Keifen (hat Jon Sgah’gahsowáh Krieger schon mal mehr wie George Clarke geklungen?) als ausschmückendes Element. Und selbst hier klingt Helldorado eher wie eine überkandidelte Schausteller-Western-Show, als alles andere. Das ist die Stärke und Schwäche der Platte.

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