Shai Hulud – Reach Beyond the Sun

von am 26. Februar 2013 in Album

Shai Hulud – Reach Beyond the Sun

Wer ein Genre nicht nur mitdefiniert hat sondern immer noch tonangebend ist, darf sich alle Zeit nehmen, die es braucht: Reach Beyond The Sun‚ ist das erst vierte reguläre Studioalbum im immerhin 18. Bandjahr –  Shai Hulud verkörpern darauf abermals alles, was am Metalcore gut und richtig sein kann. Trotz des potthässlichen Photoshop-Covers.

Reich werden die theoretischen Szenevorreiter wohl auch mit ‚Beyond The Sun‚ nicht werden: wo andere Bands harte Moshparts, aggressive Crewshouts und mörderische Breakdowns so simpel (und bestenfalls auch effektiv) als möglich aneinanderhängen, reißen Shai Hulud seit jeher das Steuer alle paar Sekunden in neue Richtungen und den Hinterhalt, drehen an der Geschwindigkeit oder werfen den Hörer so brachial wie genüsslich aus dem Sessel. Alben der Institution aus Florida sind (- daran ändert sich auch mit ‚Reach Beyond the Sun‚ erwartungsgemäß nichts) Schleudersitze in halsbrecherischen Achterbahnfahrten durch die fingerfertige Grenzbereiche zwischen Metal und Hardcore, unerreichte Prog-Exkursionen in den Grundzustand des Metalcore.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger ‚Misanthropy Pure‚ haben Shai Hulud die Zügel dabei allerdings um ein Vielfaches enger gezogen, ‚Reach Beyond The Sun‚ zeigt eine deutliche Steigerung der Konsequenz im Songwriting. Shai Hulud gönnen es ihren Kompositionen nicht mehr, an allen Ecken und Enden zusätzliche Schnörkel zu ziehen und auszufransen, das Quartett verortet seine Songs wieder näher am Hardcoreansatz als zuletzt. Bandzampano Matt Fox lässt seine rasende Gitarre deswegen auch meistens nicht mehr vor, über und neben den restlichen Instrumenten rasen, sondern positioniert sich wieder mitten drin im Getümmel. Schon ‚The Mean Spirits, Breathing‚ hastet so unkonventionell über unzählige Riffarbeiten voll melodischer Nackenbruchmomente; nicht nur der gallopierende Titeltrack gibt sich trotz aller Vertracktheit beinahe hymnisch in seiner Verbrüderungsaggression und das gebremstere ‚A Human Failing‚ kommt dann vielleicht sogar dem am nächsten, was Shai Hulud unter einem „Hit“ verstehen. Selbstredend, dass Genrekollegen von derartigen Übungen immer noch schwindelig werden würde – ‚Reach Beyond the Sun‚ verschweißt seine unzähligen Ideen und Wendungen jedoch geradezu spielend zu einem variantenreichen Spießrutenlauf.

Mindetens ebenso ausschlaggebend für die prägnante Hardcore-Rückwärts-Orientierung: mit New Found Glory-Gitarrist Chad Gilbert (brilliert hier auch in seiner mittlerweile etablierten Nebenrolle als Produzent) steht inzwischen wieder der (zumindest auf dem Debütalbum ‚Hearts Once Nourished with Hope and Compassion‚ von 1997 zu findende) Ur-Schreihals der Band hinter dem Mikrofon, heiserer und auch wahlweise kraftvoller als sein Vorgänger Matt Mazzali. Cleane Gesangsvocals findet man in den geschrieenen Melodien natürlich ebensowenig wie Verschnaufpausen – auch insofern natürlich schade, dass diese wiederaufflackernde Beziehung nicht von Dauer sein wird, könnte doch mittlerweile theoretisch Jeder Sänger von Shai Hulud werden. Wer inzwischen aber ohnedies restlos den Überblick über das ständige um die Konstanten Fox und Matthew Fletcher rotierende Besezungskarusell verloren hat, den könnte ein Blick in die Albumcredits vollends verunsichern: neben Jay Pepito (Reign Supreme), Jon Vigil (The Ghost Inside), Louis Hernandez (Alpha & Omega) Martin Stewart (Donnybrook, Terror), David Wood (Down To Nothing, Terror) oder Justin Kraus (With Life in Mind) karren Shai Hulud für das übermächtige ‚Medicine to the Dead‚ doch tatsächlich alle Hauptsänger der Bandgeschichte (Damien Moyal, Matt Mazzali, Geert van der Velde) zum alles niederringenden Stelldichein an. Jeden dieser Parts einzeln zu lokalisieren ist so unmöglich wie sinnlos. ‚Reach Beyond the Sun‚ ist ein hemmungsloses Familientreffen.

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