James Ellis Ford – The Hum

Simian Mobile Disco-Hälfte James Ellis Ford hat als Produzent namhaften Indie-Größen und alteingesessenen Mainstream-Institutionen wie den Arctic Monkeys, Foals, Florence and the Machine, Depeche Mode, Haim, Gorillaz, Klaxons, Jessie Ware, Kylie Minogue oder den Pet Shop Boys zu Glanztaten verholfen. Nun legt er mit Hum (nach einer ersten EP vor wenigen Monaten) sein erstes Soloalbum gefunden.
Mit solchen prominenten Namen im Rolodex ist es kein Wunder, dass Ford natürlich zu der Überlegung kam, ein Album mit einer atemberaubenden Liste an Gast-Features auf die Beine stellen zu können. Hört man nun The Hum, verwundert es allerdings nicht, dass er sich angesichts der doch sehr intimen, regelrecht unspektakulären Ausstrahlung eines warm-einladenden, ruhig und entspannt eine fast sedativ bedächtige Bescheidenheit an den Tag legenden Debüt-Solo-Langspielers dagegen entschied und für die Hälfte der aufgefahrenen Tracks lieber seine eigene, wenig aufdrehende, aber eben stimmig zur Ästhetik passende Stimme entdeckte.
Für I Never Wanted Anything, das für sein Rhythmusgefühl, ein bisschen jammend, weit im Hintergrund die Erinnerung an den Dancepunk der 00er behalten hat, nur diese halt durch ein mittlerweile dösendes Prisma betrachtet, in dem Deus ihre Tanz-Ambitionen auch mal gerne in den LCD Soundsystem-Ruheraum geleiten sollten; den somnambul scheppernden Wellengang Squeaky Wheel; die beatlesk plätschernde 60s-Pop-Idee Golden Hour, die klavierballadeske Flaming Lips-Seance Emptiness oder dem ziemlich unterwältigend-versöhnlich entlassenden Closing Time, die allesamt aus der Zeit gefallene Melodien konkretisieren und angenehme, aber zugegebenermaßen auch flüchtig bleibende Hooks bedienen. Sie lassen sich mit simpler Kurzweiligkeit in nächtlicher Sehnsucht durch das Vorprogramm von Tame Impala treiben – und fügen sich stimmig in das restliche, rein instrumental gehaltene Gefüge von Hum ein.
Wo der friedlich mäandernde, neugierig ambiente Opener Tape Loop #7 im nahtlosen Fluss zu Pillow Village übergeht, Gitarre und Saxofon in eine nonchalant cineastische, Verhalten orchestrale Aufbruchstimmung ohne jede Hast träumen lässt, ein smoother Schlagzeugbeat unweit von Tranquility Base Hotel + Ca(r)sino retrofuturistisch in der generellen Entschleunigung von The Hum als dösende Lounge-Musik meditativ plätschert, selig mit beinahe hippiesker Kopfkino-Elegie a la Midlake schippert.
Bis auf die gedankenverlorene Titeslstück-Trance als latent redundanten, vor allem aber das ohnedies nur zaghafte Momentum ausbremsenden Ruhepol, setzt Ford im weiteren Verlauf ebensolche geschickten Akzente im fein ausbalancierten Spannungsbogen und der unscheinbar abgetauchten Dynamik.
Das krautige Caterpillar pflegt einen saloppen Funk-Groove, als würde es sich in einer Ganoven-Heist Serie der 70er wohlfühlen – ohne deswegen aber aus dem Rahmen von The Hum zu fallen – und damit gewissermaßen den Faden den mit orientalischer Psychedelik verschmitzt schakenden, sein Muster aber zu oft wiederholenden The Yips fortspinnt. Dass Ford das fiebrig angedeutete Jazz-Kaleidoskop nur zu verhalten andeutet, ist dabei ebenso symptomatisch für die große Schwäche der Platte: The Hum bleibt stets zu gefällig zurückhaltend, lässt sich nie aus der Reserve locken oder mit wirklich herausragenden Ideen aufhorchen. Vielleicht wäre insofern zur Addition etwaiger kreativer Reibungspunkte zumindest das eine oder andere Feature durchaus eine gute Idee gewesen sein.
Kommentieren