Garish, Doppelfinger [21.03.2025: Dom im Berg, Graz]

von am 23. März 2025 in Featured, Reviews

Garish, Doppelfinger [21.03.2025: Dom im Berg, Graz]

Es gibt keine idealere Möglichkeit den einwöchigen Geburtstag von Am Ende wird alles ein Garten zu feiern, als einen Gutteil der Songs des mutmaßlich bisher wohl besten Garish-Albums live serviert zu bekommen.

Dass das Graz-Gastspiel der Burgenländer ursprünglich im kleinen Orpheum Extra stattfinden hätte sollen, war angesichts der überschaubaren Kapazitäten der Location von vornherein nicht ganz nachvollziehbar und das – aufgrund der großen Nachfrage zwangsläufig kommendes – Upgrade in weiterer Folge keineswegs eine überraschende Entscheidung. Schon aber, dass der Tourstopp, anstatt einen Stock tiefer zu siedeln, gleich in den Dom im Berg umgeleitet wurde.
Gut so freilich. Denn bei einem der besten Veranstaltungsräume der Stadt bleiben dann nach knapp eineinhalb Stunden Hauptprogramm auch keine Wünsche offen: der Sound ist (gefühlt selbst am WC kompetent gemischt und sowieso) wie immer spitze, die Lichtshow reduziert und unaufdringlich passgenau angelegt, und die Luft besser als mancherorts über Tag. Vor allem aber ist der angenehm ungedrängt besuchte Dom an diesem Abend gut gefüllt und vereint (von strahlenden Kindern in der ersten Reihe weg) Fans aller Altersklassen, deren gemeinsamer Nenner die allgemeine Textsicherheit und Freude an der Garish‘schen Zuverlässigkeit ist. (Und vielleicht schätzt ja auch manch einer davon den Fakt, dass sich nahezu alle Bandmitglieder entweder neue Schuhe für die Tour gegönnt oder Karrieren als Stiefelpolierer verpasst haben).

Garish 2

Zuvor wärmt allerdings Clemens Bäre alias Doppelfinger mit ganz anderen Dingen die Herzen. Nämlich mit unheimlich angenehm leisetretenden Acoustic-Singer Songwriter-Folk-Zärtlichkeiten, die sich wunderbar gefühlvoll nuanciert und zurückhaltend dort in die Gehörgänge schmiegen, wo man Damien Rice und dessen romantische Komfortzone der Melancholie vermissen kann. Und wie toll es erst ist, jemanden Mundharmonika spielen zu hören, der das Instrument nicht in Stücke blasen will, sondern wohltemperierte Behutsamkeit versteht, und damit die bezaubernde Intimität des Vortrags verdichtet, ist sowieso ein eigenes Kapitel.
Das fesselt in diesem Rahmen so über nahezu die gesamte, mit knapp 20 Minuten kurz gehaltene Spielzeit trotz einer relativen Gleichförmigkeit und gibt Rückenwind für den Nachfolger von By Design, dessen Material der junge Oberösterreicher (an einem „bisher sonst faden Tag“) ausprobiert.

Doppelfinger 1

Doppelfinger 2

Rüpelhaft laut zu werden können Garish besser als Doppelfinger, verkündet Thomas Jarmer wenig später verschmitzt, worauf das Quartett (nach dem geschmeidigen Einstieg rund um Das können wir besser) Bring Mich auf Ideen als Beweis beinahe archaisch stampfen lässt.
Die eigentliche Stärke der Band liegt aber weiterhin in ihrer Bandbreite, sowie einer tollen Setlist, die das aktuelle Am Ende Wird Alles Ein Garten makellos in eine Riege aus bewährten Klassikern einfügt, als wären die erst vor sieben Tagen veröffentlichten Nummern allesamt bereits lange geschätzte Begleiter durchs Leben aller Anwesenden.

Garish 3

Garish 4

Welch eine genial soulige Basslinie Waterloo (als von Jarmer deklarierter Liebling der Neulinge im Programm) besitzt, kommt dennoch hier besser als auf Platte zur Geltung, der funky Schub zur Mitte steht Pardon außerdem exzellent. Unter Strom und das lauernd polternde Matador geben sich betont tanzbar, für Spuk wird die Ausdruckstanz-Party ausgerufen und Pandoras Box hämmert zur Disco, derweil sich Wenn Dir Das Meine Liebe Nicht Beweist erst aus der Sparsamkeit zum flotten Garish-Zug pfeifen muss.
Etui wird („einen auf Johnny Cash und June Carter“ machend?) auf Julian Schneeberger an Gitarre und Zweitstimme sowie Jarmer an Gesang und Rotweinglas reduziert, derweil das mittlerweile traditionell unverstärkt in einer Reihe vorgetragene Unglück Trägt den Selben Namen subjektiv immer mit dem Fering-Setting zu Rosen und Applaus assoziiert werden wird.

Garish 5

Die Aufforderung zum gemeinschaftlichen Gesang (für das „in Linz sehr laut“ unterstützt worden seiende) Duo-Stück Auf den Dächern braucht es freilich nicht: Publikum und Band marschieren über das Live weitaus mehr Spaß machende Ding Dong hinaus in einer begeisterten Einigkeit, unterstreichen den Hit Ganz Paris als wuchtigen Chor-Hit, wonach der Titelsong von Am Ende Wird Alles Ein Garten umso eindringlicher berührt.
Spätestens wenn sich die Gruppe danach am Merchstand dem Publikum in gegenseitiger Wertschätzung einmal mehr als grundsympathische Truppe präsentiert, muss deswegen schon die Frage erlaubt sein: Waren Garish gar niemals besser als jetzt?

Setlist:
Jackpot
Das Können Wir Besser
Den Göttern Egal
Bring Mich Auf Ideen
Waterloo
Pardon
Unter Strom
Matador
Etui
Die Faust
Unglück Trägt den Selben Namen
Wenn Dir Das Meine Liebe Nicht Beweist
Auf den Dächern
Zweiundreißig Grad
Spuk
Pandoras Bock & Ein Getränk
Ding Dong

Encore:
Dann Fass Ich Mir Ein Herz
Ganz Paris
Am Ende Wird Alles Ein Garten

Encore II:
Die Wahrheit Ist Davon Krieg Ich Den Mund Nicht Voll

 

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