Bong-Ra – Black Noise

von am 23. Februar 2025 in Album

Bong-Ra – Black Noise

Nach dem doomjazzig überraschenden Meditations hat bereits die Vaseline EP die Ausrichtung von Bong-Ra hin zum Drum and Bass und Darkstep korrigiert. Black Noise könnte insofern in die Vollen gehen, was den Drang zur anachronistischen Metal-Elektronik angeht.

Atmosphärisch fesselnd verschraubt Jason Köhnen das ideal betitelte Dystopic mit guttural-heiserer Death-Erzählstimme, als gälte es, einen potentiellen Beitrag von Sepultura mit Ministry und Alec Empire für den Spawn-Soundtrack zu de/rekonstruieren: Breakcore-Beats und ein 90er-Riffing aus der Wühlkiste des Industrial und Nu Metal erzeugen mit zerfahren anmutendem Songwriting einen angenehm antiquierten, zugegeben auch nostalgisch abholenden Strom aus (phasenweise generischer) Eklektik.
Womit der stilistische Rahmen von Black Noise gesteckt ist – was in weiterer Folge, bis auf den von grimmigen Gitarren als Geisel gehaltenen Techno Club Useless Eaters übrigens weitaus weniger stressig ist, als man meinen könnte. Auch, weil die Wucht hinter der zu dünnen Drummachine fehlt.

Tatsächlich liegt in diesen Punkten mit ein wenig Abstand nach Erstkontakt auch die gravierendsten Schwächen von Black Noise: die 38 Minuten der Platte machen es sich in der selbstgefälligen Komfortzone geradezu gemütlich, obwohl die verstörende Ästhetik geradezu danach verlangt hätte, den Hörer zu provozieren oder Extreme auszureizen.
Auch, dass sich die (im Gegensatz zur früheren Bong-Ra-Historie diesmal nicht gesampelten) Riffs kaum prägnant auseinanderdividieren und hinter den stets um Dynamik bemühten Beats praktisch kein erinnerungswürdig herausstechenden Szenen kreieren, frustriert. Dass der krude, versiffte Mix und die betont räudig und dreckig angelegte Produktion zudem kaum Konturen in einer stilistisch wenig variablen Konsequenz zulässt, ist da als Schleife drumherum negativ wie positiv für ein Gesamtpaket zu verstehen, das sich trotz einiger mitgenommener moderne Trends (wie glitchender Effekte) als aus der Zeit gefallene Rückbesinnung auf typische Tugenden von Bong-Ra anfühlt und in seiner Gangart wie ein ambienter Rausch im Hintergrund begleitet.

So definiert sich Black Noise im Grunde (mit ambivalenten Erfolg) über die Ästhetik – was bis zu einem gewissen Grad auch funktioniert.
Das doomiger angelegte Death #2 schleppt seine martialische Ader mit gebetsmühlenartigem Stoizismus, das zähflüssige Nothing Virus fließt über einer mystischen Grundierung. Black Rainbow sorgt mit seiner Score-Dramatik samt skandiertem Mantra für die wohl nachhaltigsten Szene der Platte, bevor Bloodclot als dunkles Death Industrial-Interlude einen Score-Puffer zu technoiden Action-Beschialität von Ruins bildet, zur Trance mutierend. Parasites und das einnehmende Blissful Ignorance rezitieren sich danach zwar noch eindringlich durch die Palette des Sounds, addieren aber keine gravierenden Impulse. Den eigenwilligen Reiz, der von dem unmodernen IDM/Metal-Hybrid Black Noise ausgeht, verdichten sie dadurch paradoxerweise jedoch sogar.

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